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So wichtig, das Nichts

 

Seit Tagen dümpel ich so vor mich hin und überlege, was das gerade ist. Diese Lücke. Dieses Dazwischen. Ich bin es gewohnt ständig etwas zu tun zu haben und meistens reicht das kaum aus, um alles zu bewältigen, was da auf meiner Liste steht.

 

Und jetzt das. Ein Nichts ist entstanden und hat mich nicht gefragt.

 

Es ist natürlich nicht so, dass ich als Mutter dreier Kinder und selbstständige Astrologin jemals nichts zu tun hätte. Wie denn auch. Es gibt immer einen Beitrag zu schreiben, Social Media am Laufen zu halten, Beratungen vorzubereiten, Meetings, mein Buch weiterschreiben. So vieles.

 

Dennoch. Da ist so ein Gefühl von dazwischen, das ich ganz schwer fassen kann.

Dabei habe ich doch mit Hendrik beim letzten Lunch & Learn genau darüber berichtet. Dass das Glücksdreieck gerade komplett rückläufig ist und dass der Neumond in der Jungfrau diesen nerdigen Tiefgang mit sich gebracht hat. Dazu eine partielle Sonnenfinsternis Mitte September, also nichts, das sich schnell wieder löst.

 

Wer – wie ich – Planeten oder die Hauptachsen im Horoskop auf den Anfangsgraden der Jungfrau hat spürt das vielleicht mehr. Wer weiß. Ich habe mit einigen Menschen gesprochen, die ähnlich ratlos sind. Was ist denn jetzt los? Vollgas geben oder umdrehen? Und wie schön, dass ich darüber schreiben kann, denn Schreiben ist mein Liebstes. Und Schokolade. Und Schlafen.

 

Das Nichts ist mein Freund, ein heimlicher Liebhaber wohl eher, denn wir sehen uns echt selten. Ich habe mal von einem gelesen, der von der Einstein Zeit berichtet hat. Dass wir die Zeit aus unserem Solarplexus (oder war das woanders in der Körpermitte?) heraus selber generieren. Dass ich also dafür verantwortlich bin, ob ich viel Zeit habe, oder nicht. Unabhängig von meinen Aufgaben und Verpflichtungen. Ich fand das komisch und geklappt hat es erst recht nicht. Was nützt es mir denn, mich freiwillig in unangenehme Situationen zu bringen (Bsp: mit Hunger an einer Haltestelle im Regen auf die Bahn warten), weil mir dann die Zeit zu kriechen scheint? Stimmt, Zeit ist total dehnbar. Aber ich will ja das Gefühl haben, richtig viel gute Zeit zu haben und nicht schlechte.

 

Und jetzt das. Ein sich vor mir aufbauendes triumphierendes Nichts. Total seltsam. Gestern zum Beispiel war ein ganz normaler Arbeitstag. Ein paar Stunden was für mein Unternehmen getan, am Nachmittag dann Klavierschüler bis zum Abend. Aber es kam mir total easy und entspannt vor. Ich war nicht müde, wie sonst. Ich hatte das Gefühl, ich hab ewig Zeit für alles. Obwohl es wie immer war. 

 

Daher freunde ich mich jetzt mit dem Nichts an. Weil es nunmal da ist. Hallo Nichts! Ich mach dann mal auch nichts, so wie du. Du bist mein großes Vorbild.

Es kann durchaus sein, dass ich da was verdränge, aber eigentlich sind alle meine Aufgaben im Lot, ich halte meine Deadlines ein. 

 

Ich – der hibbelige Zwilling – möchte ein Loblied auf das Nichts singen (stell dir einfach eine Melodie vor), auf das Nichts, welches das Alles gebiert. So pathetisch ist mir zumute.

Im Nichts ist die absolute Verdichtung von allem, was passieren und entstehen könnte, aber eben noch nicht ist. Das Nichts ist so verführerisch, weil es uns zu keiner Richtung drängt, weil es überhaupt nichts verlangt. Keine Effektivität, keinen roten Faden, keinen Sinn, keinen Ertrag, keine Ernte.

Das Nichts und das Alles sind miteinander verwachsen wie die Köpfe des Höllenhundes vor dem Hades (wieso mir gerade der jetzt einfällt?). Das Nichts kann natürlich auch die Ruhe vor dem Sturm sein. Das wird abzuwarten sein. Wichtig ist mir aber, dass wir das Nichts unbedingt brauchen, und zwar, um klare Sicht zu haben.

 

Wenn wir handeln und aktiv sind können wir nicht gleichzeitig wahrnehmen. Geht einfach nicht. Wenn du schweigst, kannst du lauschen. Wenn du redest, hörst du nur dich.

Ich schweige gerade und lausche. Und höre nichts Wesentliches. Es gibt nichts, das hier wichtig ist. Und das ist enorm, denn normalerweise entnehme ich allen Informationen und Dingen der Welt Hinweise, die ich irgendwie in meinen Wissensspeicher einbaue. Wie ein Messi.

Ich bin ein Wissens-Messi. Das ist klar. 

 

Das Nichts ist mein Freund, ich möchte, dass er sich in meiner Wohnung eine kleine Ecke sucht zum Verweilen. Damit ich immer wieder zu ihm kommen kann.

Das Nichts hat auch viel mit dem Jetzt zu tun, merke ich gerade. Denn meine Sicht ist so verkürzt, dass ich nur wenig mehr als meine unmittelbare Umgebung und die unmittelbare Zeit wahrnehme.

In dieser Zeit – denn irgendwann wird sie sehr sicher vorbei sein – werde ich nicht produktiv sein. Ich werde nichts erschaffen (außer diesem Beitrag hier), ich werde nichts Wichtiges entschieden haben. Und das stresst mich nicht. Das ist neu.

 

Vielleicht liegt es daran, dass ich als Astrologin schon etwas weiter schauen kann und mich das entspannt. Ich möchte, dass es auch dich entspannt.

Erst ab Mitte Oktober kommt wieder etwas mehr Power zurück, da wird Pluto wieder direktläufig. Aber es dauert alles lange diesmal. Saturn wird erst Ende November wieder direktläufig und bleibt noch ein Weilchen in den Fischen (was auch entspannt ist), Neptun zieht Mitte Dezember nach, auch noch in den Fischen. Es dauert also. Bis nächstes Jahr.

 

Ist das nicht schön, dass man mal sagen kann: nächstes Jahr geht es dann weiter? Bis dahin mach ich nur so Kleinigkeiten? Es stimmt nicht, denn ich (und du bestimmt auch) habe schon Termine in meinem Kalender, die mich ungläubig anschielen. Weil sie denken, ich würde sie verdrängen. Nein, das tue ich nicht. Ich sehe sie. Aber ich fühle es nicht. Es fühlt sich nach einer Extrazeit an. Vielleicht ist das die Einsteinzeit. Nur, dass ich mich nicht darum gekümmert habe, das hat das Universum gemacht.

Danke.

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