Tatsächlich habe ich diesen Begriff gewählt im November 2025, ohne groß darüber nachzudenken. Eine Bauchentscheidung, denn ich spürte nur, dass ich eine neue Begrifflichkeit brauchte, als ich meinen Beitrag für den DAV Kongress in Bad Kissingen einreichte. Der Neptun Code wollte in ein größeres Konzept gebettet werden und so entstand die Transformations Astrologie.
Dazu sollte eigentlich ein Beitrag im Meridian erscheinen, aber ich war noch zu schwammig und im Gespräch mit Holger Fass musste ich eingestehen, dass ich noch nicht gut erklären kann, was denn das originär Neue und Andere an meiner Herangehensweise sein soll. Begleiten nicht alle AstrologInnen eine Transformation bei ihren KlientInnen?
Der Beitrag ist dann zum Glück nicht erschienen, es war noch zu früh. Jetzt kam meine tiefe Beschäftigung mit Chiron in den letzten Monaten dazu. Einerseits schrieb ich dazu in der Astrologie Heute (Talente im Horoskop Serie), zum Anderen setzte ich mit meinem Kollegen Hendrik Holler eine Masterclass ins Leben, wo es eben nicht um die Gabenseite Chirons geht, sondern um die Wunde und die Anhaftung an das Ego.
Wir haben dazu ganz frische neue Perspektiven entwickeln können und während ich so tief im Forschen und Formulieren war, kam es von ganz alleine: Die Erkenntnis, was denn die Transformations Astrologie rein technisch ist und sein kann. Und was Chiron damit zu tun hat.
Die Prämissen der Transformations Astrologie
Chiron, den ich zuvor eher stiefmütterlich im Horoskop behandelte, entpuppte sich als wahrer Katalysator von der persönlichen Weiterentwicklung. Er erscheint als ein Nadelöhr, eine Schleuse, durch die wir treten, wenn wir kapitulieren und an der chironischen Aufgabe und Wunde scheitern.
Auf einmal konnte ich Denkweisen und Prämissen von mir miteinander sinnvoll verbinden, die mich schon Jahre begleiteten. Es fehlte nur die richtige Rahmung, der Namen, die Erklärung dazu.
Hier stelle ich nun meine Prämissen und Vorüberlegungen zur Transformations Astrologie vor:
Prämisse Nr. 1: Wir leiden vor allem an unserer Selbstzentrierung, der ständigen Umkreisung unserer Fehler, Schwächen und Enttäuschungen. Würden wir unseren Blick heben und unseren Fokus mal von uns selbst abwenden, könnten wir unsere Gaben und Energie für alles um uns herum einsetzen. Familie, Gemeinschaft, Umwelt, Natur, brillante Gedanken, Erfindungen, Selbstlosigkeit ohne Opferrolle.
Prämisse Nr. 2: Wir sind nicht göttertauglich, was heißt: erst, wenn wir unsere irdischen Hausaufgaben gemacht haben, erst durch die Integration der persönlichen Planeten lernen wir, diese überpersönlichen Kräfte konstruktiv zu kanalisieren, statt von ihnen traumatisiert oder überflutet zu werden.
Prämisse Nr. 3: Chiron ist dabei unser Trainingslager. Chiron ist das Nadelöhr, das beide Welten: die persönliche Zentriertheit und die Ausrichtung zu den transpersonalen Planeten (=den Göttern) verbindet. Chiron macht uns durch die chronische Wunde (egal ob emotional oder körperlich) bereit, unser Ego zu zerschlagen, das alte Selbstbild, an dem wir hängen. Lassen wir es gehen, befreien wir uns davon und haben wir zusätzlich unsere irdischen Hausaufgaben gemacht, dann steht uns erst der Weg offen zu der Welt der Götter.
Prämisse Nr. 4: Erst jetzt, wo kollektiv ein stabiler Zustand von Wohlstand etabliert wurde in vielen Ländern öffnet sich der Blick nach oben. Der akute Narzissmus, der wie eine Krankheit die westlichen Gesellschaften flutet, die Depression und zunehmende Einsamkeit sind Hinweise darauf, dass es bald zu einem Bruch nach dem Peak kommt. Der Narzissmus wird in sich selbst kollabieren müssen, da er keinen Halt/ kein Futter mehr findet. Die Ausrichtung auf Gemeinwohl und Schwarmbewusstsein ist insofern ein natürlicher nächster Prozess. Dies zeigt sich auch astrologisch anhand des Glücksdreiecks, welches für fast alle AstrologInnen weltweit das Symbol für ein Aufbrechen in eine neue Welt ist.
Insofern ist die Transformations Astrologie im Kern eine neue Schule der Astrologie. Sie rückt ab von der Fokussierung auf die eigene Optimierung und schärft den Blick dafür, welche höheren Aufgaben und Verantwortung auf uns warten. Es ist der Schritt von der Me-Culture hin zum Schwarmbewusstsein.
Der Prozess der Transformations Astrologie ist also, zunächst die Persönlichkeitsentwicklung zu vervollständigen, d.h. die Integration der einzelnen Anteile (=Planeten), sich dann Chiron zu nähern, das Ego/ alte Selbstbild abstreifen und sich dann den starken Energien von Uranus, Neptun und Pluto anzunehmen. Die Transite sind dabei keine Schicksalsschläge, die von außen auf uns zukommen. Sie sind die zeitlichen Auslöser für das zeitlose Erwachen. Sie reißen das Ego im linearen Leben genau an den Stellen auf, an denen es bereit ist, das All-Jetzt zu schauen.
Wenn die Götter-Energien dann frei fließen muss auch für eine gesunde Erdung gesorgt werden, sprich: Saturnische Qualitäten bemüht werden. Auch dies ist wieder ein Integrationsprozess.
Geniuszone, Weltenliebe und Powerzone
Die 'Götter' haben ganz besondere Prägungen für uns: Von Uranus empfangen wir den promethischen Funken der Weisheit und Genialität. Ich nenne Uranus unsere Geniuszone. Von Neptun erhalten wir ein weltumspannendes Mitgefühl und die Rückanbindung an unsere Seele. Und Pluto zeigt uns, wo wir in unsere stärkste Größe und Kompetenz gehen können, er gibt uns überirdische Power extreme Aufgaben zu bewältigen.
Natürlich wirken die transpersonalen Planeten auch ohne unsere bewusste Integration, aber wie bekannt, sind das meistens eher zerstörerische und schwierige Schwingungen, die wir auf Erden empfangen. Transite und Aspekte mit diesen Planeten zeigen oft Phasen an, wo wir mit Problemen und schwierigen Prozessen konfrontiert werden, wo sich eine Weggabelung auftut und wir mit Schmerzen Menschen, Dinge oder Gewohnheiten loslassen müssen. Diesen Kräften müssen wir uns beugen, sie wirken wie ein kosmisches Schicksal und sind jenseits von Mitgefühl oder Nachgiebigkeit uns gegenüber.
Radikale Realität
Ich verwende bei meiner Arbeit den Ansatz einer radikalen (=von der Wurzel her) Realität. Das heißt, ich konfrontiere auf eine liebevolle und schonende Art meine KlientInnen mit dem, was ist und was sie gerne anders sehen oder verdrängen wollen. Unser Hang zu verklären und zu verdrängen hat genuin mit dem Ego zu tun, einem Konstrukt, dass sich selbst erhalten will und dazu alles nutzt, was möglich ist. Projektionen auf andere (was man an sich selbst nicht wahrnehmen möchte), Verdrängung von Realität (wenn man abgelehnt wird oder scheitert), Aktionismus (wenn man sich zwanghaft mit Dingen beschäftigt, die eigentlich nichts nützen, nur zur Ablenkung gut sind).
Es geht um die Arbeit mit dem reinen Bewusstsein, das nur beobachtet und nicht bewertet. Erst, wenn wir klar erkennen können, in welchem Rahmen wir hier leben, welche Ressourcen uns zur Verfügung stehen und was wir im Inneren erhoffen und wünschen, können wir Wege finden Frieden in uns zu haben.
Der innere Frieden ist häufig der Boden des Wunsches. Viele mögen sich Reichtum wünschen, Anerkennung, viele Follower, Karrieresprünge, echte Liebe oder tolle Freunde, aber wenn man weiter gräbt, sucht hier nur das Innere nach einem Pflaster, um die Wunde zu stopfen. Die Wunde ist innere Unruhe und Unzufriedenheit. Der angestrebte Zustand von eigentlich allen ist: Innerer Frieden und totales Einverständnis mit dem, was ist.
Aus diesem inneren Einverständnis und Ruhe heraus sind wir gestärkt für die höheren Aufgaben der Götterinstanzen. Ich nenne die transpersonalen Planeten im psychologischen Sinne von C.G. Jung 'Götterinstanzen'. Sie symbolisieren die überpersönlichen Urkräfte (Archetypen) des kollektiven Unbewussten. Für unser kleines Ego wirken sie oft allmächtig und rücksichtslos, weil sie sich den Wünschen unserer Persönlichkeit nicht beugen. Sie sind kosmische Naturgewalten in uns selbst. Ihre Energien sind meistens zerstörerisch für die Empfänger. Erst, wenn wir auf Augenhöhe sind, mit klarem Bewusstsein, können wir lernen, mit diesen Energien konstruktiv und voller Freude umzugehen.
Das klare Betrachten der eigenen Situation und die höhere Aufgabe sind die Kernstücke der Transformations Astrologie.

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